Übersicht über mögliche Ansätze

 

Da noch bei keiner NCL-Form bisher der eigentliche Krankheitsmechanismus aufgeklärt werden konnte, gestaltet sich die Suche nach möglichen Therapien als sehr schwierig. Umso bedeutsamer bleibt für die Patienten die optimale Ausnutzung der erwähnten palliativen (lindernden) Behandlungsmöglichkeiten.

Dennoch gibt es auch einige experimentelle Behandlungsansätze:

 

Nahrungsergänzungsmittel:

Wie für jeden anderen Menschen gilt natürlich auch für von NCL Betroffene, dass auf eine Ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen geachtet werden sollte. Besonders die zusätzliche Gabe von Omega 3 und Vitamin E haben sich in Studien als hilfreich bestätigt um das Allgemeinbefinden des Erkrankten zu verbessern.

 

Medikamente:

Es wird die Wirkung von Medikamenten untersucht, die die Apoptose, eine bestimmte Form des Zelltodes, hemmen. Zelltod in Form von Apoptose spielt bei NCL bei Abbau der Gehirnzellen eine wichtige Rolle. Ein solches Medikament ist Flupirtin, das auch wegen seiner schmerzstillenden und antiepileptischen Wirkung bei NCL-Kindern eingesetzt wird.

 

Stammzellen:

Für zwei der mit Enzymdefekten einhergehenden NCL (CLN1 und CLN2) wurden in den USA Studien durchgeführt, ob die Transplantation embryonaler Stammzellen in das Gehirn von den Patienten gut vertragen wird. Eine Folgestudie wurde von der Pharmafirma abgesagt, wegen angeblich zu geringer Teilnehmerzahlen.

 

Gentransfer:

Eine Studie, in deren Rahmen den Patienten mit CLN2 das korrekte Gen mittels „entkernten“ und daher ungefährlichen Viren in das Gehirn injiziert wurde, wurde bereits abgeschlossen. Eine zweite mit einem anderen Virus läuft noch. Zwar scheinen diese Gene vom Körper tatsächlich genutzt zu werden um das fehlende Enzym herzustellen, aber die bisher genutzten Viren verteilen sich nicht weit genug im Gehirn, um mehr als eine geringe Verlangsamung des Krankheitsverlaufes zu erreichen.

 

Enzymersatztherapie:

Derzeit läuft eine vielversprechende Studie mit Enzymersatztherapie für CLN2 in Hamburg und London. Dabei wird das künstlich hergestellte Enzym über ein während einer OP eingepflanztes Reservoir dauerhaft direkt in das Gehirn gegeben. Auch wenn bei diesem Therapieansatz eine lebenslange Gabe des Medikaments – also des Enzyms – notwendig wäre, scheint dieser Ansatz bisher am ehesten geeignet. Allerdings ist er - wie auch die Gentherapie - nur für diejenigen Krankheitsformen denkbar, bei denen ein Enzym betroffen ist (CLN1 und CLN2).

 

Für die klassische juvenile NCL (CLN3), die mit dem Defekt eines Membranproteins einhergeht, gibt es noch keine Therapieversuche.

 

Die Wirksamkeit dieser experimentellen Therapien lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Bei allen NCL-Formen gibt es aus unbekannten Gründen große Unterschiede im Krankheitsverlauf. Da ist es schwierig zu beurteilen, ob ein langsameres Voranschreiten der Krankheit durch die experimentelle Therapie bewirkt wird, oder ob es sich zufälligerweise um einen Patienten handelt, bei dem die Krankheit sowieso langsamer verläuft. Um dies unterscheiden zu können, wird genaueres Wissen über den Verlauf der Krankheit bei einzelnen Patienten gebraucht. Durch regelmäßige, möglichst alle 6 Monate durchgeführte Untersuchungen der NCL-Kinder in der spezialisierten NCL-Sprechstunde lassen sich Daten sammeln, mit deren Hilfe eine Bewertung zukünftiger experimenteller Therapien möglich sein wird.

 

Bei Fragen zu Diagnose, Verlauf und Therapie der NCL-Krankheiten kann man sich gerne jederzeit an die Ärzte der NCL-Sprechstunden in Hamburg und Göttingen wenden.

 

Studie von BioMarin: Enzymtherapie für CLN2

 

Schon auf dem internationalen NCL-Kongress im März 2012 berichtete die Pharmafirma BioMarin über viel versprechende Ergebnisse einer Enzymtherapiestudie mit Dachshunden, die an einer natürlichen Form von NCL leiden.

 

Ende 2013 hat eine Phase 1/2 Studie mit an CLN2 erkrankten Kindern begonnen. Wegen Verzögerungen im zweiten vorgesehenen Studienzentrum in London wurde zunächst ein Großteil der ausgewählten Kinder nach und nach am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aufgenommen und hier auch die ersten Phasen mit der Aufdosierung des Medikamentes durchgeführt.

 

Die teilnehmenden Kinder durften nicht jünger als 3 Jahre sein und mussten im Bereich der Motorik und des Sprechens noch vergleichsweise hohe Restfähigkeiten zeigen. Maximal 24 Kinder durften in diese Studie aufgenommen werden.

 

Im Februar 2015 wurde schließlich das 24. Kind behandelt. Die aktuelle Studie ist damit für weitere Teilnehmer geschlossen.

 

In den mittlerweile vier Studienzentren - Hamburg, London, Rom und Columbus/USA - erhalten alle teilnehmenden Kinder alle zwei Wochen das im Körper fehlende Enzym. Das Enzym wird in ein Reservoir gegeben, das unter der Kopfhaut implantiert wird und eine direkte Verbindung zum Gehirn aufweist. Grundsätzlich ist dies eine bereits seit langem bei anderen Erkrankungen erfolgreich erprobte Technik, die selbstverständlich dennoch Risiken birgt und daher speziell geschultes Personal und jeweils einen ein bis zweitägigen Aufenthalt auf der Intensivstation bedeutet.

 

Am Universitätsklinikum in Hamburg Eppendorf erhalten u.a. Kinder aus Deutschland, Japan, der Türkei, Polen und Kroatien alle zwei Wochen das Enzym.

 

Nach sechs und 12 Monaten finden bzw. fanden bei den beteiligten Kindern neben weiteren Kontrolluntersuchungen auch Untersuchungen des Gehirns im MRT (Magnetresonanztomografie) statt, um zu klären, ob der Abbau der Gehirnzellen gestoppt wurde oder sich zumindest verlangsamt hat.

 

Die bisherigen Ergebnisse scheinen insgesamt vielversprechend zu sein. Alle Kinder, die die vorgesehenen 12 Monate in der Phase1/2-Studie durchgemacht haben, sind in eine Anschlussstudie übernommen worden. Das 24. Kind wird diese erste Studie im Dezember 2015 beendet haben.

 

Aufgrund der auch so von der Firma in offiziellen Statements kommunizierten positiven Resultate der Studie versuchen seit dem Schließen der Phase 1/2 Studie im Februar 2015 mehrere Eltern verzweifelt, die Firma dazu zu bewegen, weitere Studien, compassionate use (Härtefall)-Programme oder wenigstens individuelle Heilversuche für ihre Kinder zuzulassen.

 

Das betrifft z.B. Kinder, die die Diagnose erst ab Februar 2015 erhielten oder die die strengen Einschlusskriterien für die Aufnahme in die Studie nicht erfüllten. Zu der letzten Gruppe gehören nicht nur bereits ältere Kinder, sondern z. B. auch einige Geschwisterkinder von bereits in der Studie behandelten Kindern, die das 3. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten.

 

Bislang verweigert sich BioMarin kategorisch allen derartigen Bitten.