Förder des Seminars

Das Seminar für die Betreuer konnte nur stattfinden dank der großzügigen

Förderung der


Betreuerfortbildung in Hamburg (03. und 04. Oktober 2009)

Schon im vergangenen Jahr trafen sich die Betreuer der NCL-Gruppe in Dortmund, um mehr über die Krankheit der Kinder und Jugendlichen zu erfahren, die sie alljährlich betreuen. So fand auch dieses Jahr wieder eine solche Fortbildung vom 03. bis 04. Oktober in Hamburg statt. Als Tagungsstätte wurde das InterCity Hotel am Glockengießerwall auserkoren.

 

Wie auch im letzten Jahr stand uns Chefarzt Dr. med. Andreas Richterlich, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Rede und Antwort. Die Fortbildung begann am Samstag um 13 Uhr mit einer Begrüßung und einer anschließenden gemeinsamen Themenfindung, bei der auch die Betreuer ihre Wünsche äußern durften. Im letzten Jahr

hatten wir uns größtenteils mit den Wirkprinzipien der Medikamente, der Handhabung von Notfallmedikamenten und das Verhalten bei Krampfanfällen beschäftigt. Den Umgang mit belastenden Situationen, welche mit der Krankheit NCL einhergehen, konnten wir nur

anreißen.

Diesen Punkt der Fremd- und Selbstregulation haben wir dieses Jahr erneut aufgegriffen und vertieft. Wir haben im ersten Block versucht uns in die Perspektive der Eltern und die der Kinder und Jugendlichen hinein zu versetzen. Gerade die Betrachtung der eigenen Sichtweise unserer zu Betreuenden auf ihre Erkrankung bzw. Behinderung soll uns Betreuern in Zukunft helfen, viele Situationen die uns auf den Freizeiten und Tagungen begegnen besser verstehen und einschätzen zu können und entsprechend angemessen zu reagieren.

 

Um einen besseren Einblick in die Wahrnehmung von blinden Menschen zu bekommen, besuchten wir am Nachmittag die Ausstellung 'Dialog im Dunkeln'. Beim Dialog im Dunkeln fand ein Rollentausch statt: Wir sehende Betreuer wurden herausgelöst aus unserer sozialen Routine und unserer gewohnten Wahrnehmung.

Blinde Menschen sicherten als Guides unsere Orientierung und Mobilität und vermittelten uns ihre Wahrnehmung, ihrer ganz eigenen Welt. In völlig abgedunkelten Räumen führten uns die Guides in drei Gruppen durch eine Ausstellung.

Einzige weitere Hilfe war uns ein Blindenstock, mit dem wir zunächst eher hilflos in der Gegend rumfuchtelten als ihn geschickt zu unserer Orientierung zu nutzen. Wir liefen wir durch eine Welt gestaltet aus Düften, Wind, Regen, Tönen und Texturen. Wir streiften durch einen Park, überquerten eine vielbefahrene Straße, machten eine Bootsfahrt oder ließen uns zum Plaudern in einer Bar nieder. All dies waren für uns Alltagssituationen, die in unsichtbarer Form eine völlig neue Erfahrung darstellten.

Auch wenn uns immer die für uns begrenzte Zeit dieses Zustandes bewusst war, merkten wir doch deutlich, wie eingeschränkt und abhängig man in vielen Situationen als Blinder ist. Gleichzeitig stellten wir

als visuell fixierte Sehende aber auch fest, auf welch vielfältige Möglichkeiten wir auch ohne Sehsinn unsere Umwelt wahrnehmen und wie gut ihn dabei die anderen Sinne kompensieren.

Diese Erfahrung zeigte uns auch, wie viel Vertrauen die Kinder und Jugendlichen uns Betreuern als ihren „Guides“ im NCL-Alltag entgegen bringen und dass gerade die sinnliche Wahrnehmung ihrer Umwelt ein Punkt sein sollte, bei denen wir sie besonders stützen müssen.

Nach dieser bewegenden Erfahrung machten wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel,

wo wir uns das Abendessen schmecken ließen. Auch wenn die Portionen für hungrige Betreuermäuler etwas klein geraten waren, bereuten wir die Wahl unserer Unterkunft aus kulinarischer Perspektive nicht. Nach dem Abendessen erkundeten wir selbstverständlich noch ein wenig Hamburg bei Nacht und zogen uns zum Austausch der Erlebnisse des Tages zunächst in eine urige Spelunke in einer Seitenstraße der Reeperbahn zurück.

 

Wir kämpften uns weiter durch strömenden Regen und überflutete Straßen und kamen letztendlich im Laufe des späten Abends alle durchnässt aber heile wieder im Hotel an.

Am nächsten Morgen stärkten wir uns alle am reichlichen Frühstücksbüffet, welches uns im Hotel aufgetischt wurde, bevor wir uns unserem nächsten Vortragsblock widmeten. In der zweiten Sitzung beschäftigten wir uns mit dem emphatischen und positiven Umgang mit schwierigen Grenzsituationen wie Diagnose, Krankheitsverlauf und Tod. Zunächst schilderten wir aus unserem eigenem Leben Situationen mit solchen Erfahrungen und tauschten uns

darüber aus.

 

Anschließend hielt uns Herr Richterlich einen Vortrag, wie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit solchen Situationen umgegangen wird und gab uns viele Tipps für Gespräche mit Eltern und Betroffenen auf den Weg. Ein Zitat von Herr Richterlich, das mir persönlich in diesem Zusammenhang sehr gut gefiel und meiner Meinung nach auch gut die Absicht unserer Freizeiten wiedergibt war: „Hoffnung heißt nicht dem Leben mehr Tage zu

geben, sondern dem Tag mehr Leben zu geben.“ Im Anschluss an dieses Thema widmeten wir uns noch dem Umgang mit neurotischen bzw.

psychotischen Zuständen und lernten hier, welche Angriffsmöglichkeiten zum Aufbrechen solcher Zustände uns auf psychischer, sozialer und biologischer Ebene zur Verfügung stehen.

 

Zu guter Letzt beschäftigten wir uns mit der Reflexion unser eigenen Emotionen im Umgang mit den von uns Betreuten Kindern und Jugendlichen. Wir bekamen viele gute Hinweise zur Stressbewältigung, die uns in Zukunft sicher nicht nur in unserer Arbeit als Betreuer sondern auch im Privatleben weiter helfen werden. Um 15 Uhr endete unser Seminar dann mit den

üblichen Abschiedstränen.

 

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal herzlich bei Herrn Richterlich für die interessanten Tipps und Hinweise bedanken und hoffen, dass es uns auf den kommenden Freizeiten gelingt, diese fruchtbar umzusetzen. Unser Dank geht auch an Stefan, der diese Fortbildung nicht nur

initiiert und so toll geplant sondern uns an diesem Wochenende auch begleitet hat und seine

eigenen Erfahrungen als Vater eingebracht hat. Wir freuen uns alle auf die nächste

Fortbildung…

 

Daniel Bade